Montag, 2. Februar 2015

Patentrezepte gegen Erkältungen

Hannover (apothekerkammer-niedersachsen) – Schluckbeschwerden und Kratzen im Hals – wer häufig hustet und sich laufend räuspert, bekommt schnell ein paar Tipps von Freunden oder sogar vom Sitznachbarn im Bus, wie beispielsweise Halstabletten lutschen oder jede Stunde zehn homöopathische Tropfen einnehmen. Fast jeder scheint ein Patentrezept gegen Erkältungen und Halsweh zu haben. Aber was hilft wirklich?

Halsschmerzen sind unangenehm, aber oft harmlos. Meistens werden sie durch einen Virusinfekt ausgelöst und klingen nach einigen Tagen von selbst wieder ab, teilt die Apothekerkammer Niedersachsen mit. Doch so lange möchten die Betroffenen ungern  warten, sie wollen die Schmerzen schnell wieder loswerden. In der Apotheke fragen sie deshalb nach ihren bewährten Arzneimitteln, mit denen sie schon vorher gute Erfahrungen gemacht haben, um Halsweh und Schnupfen zu mildern. Häufig werden allerdings Präparate gewünscht, für die es keine wissenschaftlich anerkannten Studien zur Wirksamkeit gibt. Es gibt in der Medizin immer wieder Phänomene wie den Placeboeffekt, für den es keine eindeutigen Erklärungen gibt. Die meisten Patienten fühlen sich einfach wohler, wenn sie selbst etwas gegen die Symptome unternehmen können. Auch die Homöopathie findet viele Anhänger, obwohl die Wirksamkeit für Fachleute nicht nachweisbar ist. Dennoch gilt: Apothekenpflichtige Halstabletten oder Erkältungsmittel sind durch Behörden zugelassene Arzneimittel, deren Wirksamkeit, Unbedenklichkeit und Wirkstoffqualität geprüft sind.

Symptome ernst nehmen

Wenn das Schlucken schmerzt, sollte man etwas dagegen unternehmen, denn Halsschmerzen sind häufig erste Anzeichen für eine Erkältung. Wer eine beginnende Erkältung selbst therapiert, sollte Folgendes beachten: Bei Halsschmerzen mit hohem Fieber, eitrigem Auswurf oder chronischen bzw. einseitigen Halsschmerzen soll sofort ein Arzt aufgesucht werden. Patienten, die regelmäßig Medikamente einnehmen, unter Allergien leiden oder schwanger sind, sollten sich in der Apotheke beraten lassen, welche Erkältungsmittel für sie unbedenklich sind.

Das richtige Mittel im Gespräch mit dem Apotheker finden

Wer ein Kratzen im Hals spürt, sollte sich ausruhen und auf eine vitaminreiche Ernährung achten. Viel Trinken hält die Mundschleimhäute feucht und fördert so den Heilungsprozess. Rauchen ist tabu. Der Apotheker gibt gerne Tipps, welche Erkältungsmittel sich gut in den persönlichen Alltag integrieren lassen. Grundsätzlich unterstützen das Trinken von Tees und heißer Zitrone, Gurgeln mit Salzwasser, Salbeitee oder mit einer verdünnten Wasserstoffperoxidlösung die Heilung. Das Lutschen von Husten- oder Halsbonbons regt die Speichelproduktion an und lindert so die Beschwerden. Auch feuchtkalte Halswickel helfen. Bei einer Erkältung empfinden viele Patienten Hausmittel als wohltuend. Doch nicht immer lassen sich „Großmutters Rezepte“ wie Gurgeln und Halswickel auch am Arbeitsplatz anwenden. Ein Busfahrer wünscht sich schnelle Hilfe für unterwegs, eine Lehrerin will vor den Schülern ohne Schmerzen sprechen, ein Arbeiter am Fließband braucht vor allem ein unkompliziertes Mittel. Hier können Arzneimittel helfen, die Entzündungen direkt im Hals hemmen und Schmerzen lindern. Manch einer leidet so stark unter den Halsschmerzen, dass er keine Nachtruhe findet. Eine Halstablette, die direkt im Rachenraum wirkt, kann Gutes tun und der Patient findet endlich in den wohltuenden Schlaf. Ebenso geeignet sind Schmerzmittel wie Ibuprofen, Paracetamol und Acetylsalicylsäure. Die Einnahme von Acetylsalicylsäure, dem Verbraucher unter dem Namen Aspirin bekannt, sollte bei Kindern unter 12 Jahren unterbleiben. Doch auch hier gilt: Ob Schmerzmittel oder Halstablette, beides sind Arzneimittel. Vor der Einnahme sollte der Patient den Beipackzettel sorgfältig lesen und die Dosierungshinweise beachten. Der Apotheker findet im Gespräch das individuell auf den Patienten abgestimmte Mittel, das auch im Alltag gut anwendbar ist.

Kinder gut versorgen

Kinder unter sechs Jahren sollten bei Halsschmerzen nicht mit Halstabletten behandelt werden, die Benzocain oder Lidocain enthalten. Hier sind Lutschtabletten mit Mineralsalzen anderen Arzneimitteln vorzuziehen. Für erkrankte Säuglinge und Kleinkinder gelten besondere Empfehlungen, über die sich Eltern beim Arzt und Apotheker informieren können.

Der Apothekerkammer Niedersachsen gehören rund 7.000 Mitglieder an. Der Apotheker ist ein fachlich unabhängiger Heilberufler. Der Gesetzgeber hat den selbstständigen Apothekern die sichere und flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln übertragen. Der Beruf erfordert ein vierjähriges Pharmaziestudium an einer Universität und ein praktisches Jahr. Dabei erwirbt der Studierende Kenntnisse in pharmazeutischer Chemie und Biologie, Technologie, Pharmakologie und Toxikologie. Nach dem Staatsexamen erhält er eine Approbation. Nur mit dieser staatlichen Zulassung kann er eine öffentliche Apotheke führen. Als Spezialist für Gesundheit und Prävention berät der Apotheker seriös und unabhängig. Er begleitet den Patienten fachlich, unterstützt ihn menschlich und hilft ihm so, seine Therapie im Alltag umzusetzen.